Nicht “Sport ist Mord” - der Mörder ist oft der Trend
Kurzdiäten boomen, der kalorienreduzierte Du-darfst-Genuss macht Umsatzrekorde und die Fitnessstudios haben volle Kurse und beim Bäcker stehen die Jogger morgens Schlange, um nach schweißtreibenden Runden Brötchen zu holen. Seht alle her, ich habe Sport getrieben!
Während die Herren der Schöpfung den Sixpack nicht mehr trinken, sondern sich für ihren Auftritt einen ebenso genannten Bauch wünschen, streben die Damen nach den 90-60-90-Maßen - und es gilt: ohne nachgewiesenen Schweiß nicht mehr gesellschaftsfähig. Da wird gesteppt, gestemmt, gewalkt, gejoggt, was das Zeug hält. Wer mitmacht ist fit, toll und voll im Trend. Man zwingt sich zum Lächeln, kauft den fetzigen Sportdress in der Kaffeeecke* des Vertrauens und hat das richtige Aftershowergel und die perfekte Sporttasche zum passenden Schuh. Cool aussehen ist auch schon sportlich. Schweißperlen werden nicht mehr weggepudert, sondern sind Statussymbol. Wer schwitzt ist im Vorteil - sichtbarer Beweis für den Sieg über den inneren Schweinehund. Ein Muskelkater ist nicht Zeichen für ein falsches Training, sondern wird förmlich zur stolz erzählten Trophäe einer harten Sporteinheit.
Niemand gibt zu, dass er vom Eisbecher träumt, während er sich beim Aerobic quält. Keiner erwähnt, dass er tagsüber gerne Aufzug fährt, um dann abends im Fitnessstudio den Stepper emsig zu besteigen. Guter Sport kostet Geld, sonst hat er keinen Wert. Ich will so bleiben wie ich bin, aber sportlich muß ich sein und dabei auch noch gut aussehen.
Unsportliche Menschen sind nämlich suspekt, lassen sich gehen, werden selbst von der Krankenkasse ohne Fleißkärtchen ausgegrenzt. Selbst Personalchefs fragen heute gerne nach dem Freizeitsport, um Bewerber einzuschätzen - Segelflieger liegen da deutlich vor Joggern und die Golfer empfehlen sich für Führungspositionen. Teure Sportarten belegen, wie ernsthaft sportlich man ist.
Übrigens, die wenigstens Menschen machen gerne schweißtreibenden Sport in geschlossenen Räumen, nur zu sagen traut es sich niemand. Das liegt nicht daran, dass der Mensch sich nicht gerne bewegt, sondern an dem Druck, den der Wirtschaftsfaktor Sport auf das “wie” ausübt.

Sport kann aber Spaß machen, wenn man es nur aus sich heraus macht.
Und die Art des Sportes ist nebensächlich - und kann nach dem eigenen Bedürfnis individuell gewählt werden - es gilt einzig und allein:
Auf den Spaß an der Bewegung kommt es an!
Und das kann man von Walnuss lernen:
Auf dem Mars ist man mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel
[*Anmerkung der Setzerin: Die Rechtschreibereform bringt mich noch um ... vier e's müssen sinnlos verteilt werden, bäh!]

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