Ross Anthony, ein neuer Typus Held?
Als ich noch ne kleine Wanze war, da dachte ich, dass auf mich sicherlich irgendwo eine heldenhafte männliche Wanze wartet, mit der ich zwei vorbildliche Kinder, ein Flachdachatriumbungalow und eine Ferienwohnung am Meer habe. So ein Held, der sich vor mich stellt, wenn ich angegriffen werde, der ein Billy-Regal in 10 Minuten aufbaut, mehrere Medaillen in irgendeiner männlichen Sportart gewonnen hat, der ganz alleine eine Natursteinplatte in den Garten trägt, bei “Schlag den Raab” sicher und mit Vorsprung als Sieger hervorgehen würde und der bei all dem immer auch noch phantastisch aussieht. So ein richtiger Held zum Liebhaben eben. In jedem Märchen, in jeder Fernsehserie wurden meine Heldenbilder geprägt.
Und jetzt? “Unmännliche” Heulsusen werden zu Helden. Mein gesamtes Männerbild gerät ins Wanken. Wer war noch gleich Brad Pitt? George Clooney war gestern, Ross Anthony ist heute. Männer, die sich nicht konsequent für Frauen interessieren, werden zu Frauenlieblingen. Da werden Kakerlaken aus seinem Poschlitz geklaubt, da wird er geherzt, gelobt, aufgeschaut und aufgebaut, was das Zeug hält. Siegfried, wo bist Du geblieben? Ich rufe nicht nach Hagen Tronje, sondern nach der Männerwelt. Gibt es da draußen noch Siegfrieds ohne Roy?
Was zum Troste bleibt, ist die Rührung über Bata Illic, der Mann der stilvollen Gesten, ein Musterbeispiel für einen empathischen Mann … und dabei vergisst man schnell, dass er ein alter Mann ist, der auch mal kleinere Aussetzer hat. Für mich ist er ganz einfach mein Held dieser Tage!

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