Heisser Brei und andere Fetzen der Weisheit

Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück!

Das wäre mein Kernsatz für das neue Jahr.
 
2008 bleibt alles, wie es ist oder es ändert sich, wenn nicht jetzt, wann dann. Mit sich selbst reden oder für sich selbst reden, macht das Sinn? Nöö, ich will kommunizieren – mit Gleichgesinnten und Andersdenkenden – aber mit den ungeschriebenen Regeln der Sprachkultur. Ich will einfach nicht dozieren und mir einen Wolf an Dialogvorschlägen aus der linken, rechten oder mittleren Rippe herausschreiben und alles bleibt ohne Widerhall. Was wäre ein Kaffeeklatsch ohne Klatsch? Was wäre ein Streitgespräch ohne Gesprächsteilnehmer? Mit der Rauhfasertapete des ÜberALL diskutiert es sich einfach so schlecht und ich beginne langsam, die kleinen Rauhfaserchen abzupuhlen, wenn ich so gar keinen Dialog aufnehmen kann. Beschäftigungstherapie war gestern – Austausch ist morgen oder so. Bei so viel “durch-die-Blume” reden, bin ich gespannt, was davon ankommt. Ja, so ist das mit dem Rufen in den Wald, es schallt etwas zurück – und das ist auch gut so!

Wer nicht fragt, der bleibt dumm, so oder so ähnlich hat mir das mal eine unheimlich langweilige Lehrerin gesagt. Ich hatte aber nie Lust, sie zu fragen. Lieber fand ich sie langweilig – fand ich cool – damals. Heute sage ich mir, vielleicht hätte mir diese Frau etwas mitteilen können, wenn ich gefragt hätte. Irgendwas, was heute vielleicht genau das Mosaikstückchen im Gehirn aktivieren würde, das ich bräuchte, um zu kapieren, warum Menschen Großartiges leisten und doch auch so grausam sein können. Genie und Wahnsinn oder Macht und Skrupellosigkeit oder Hinz und Kunz und sowieso. Grenzen verfliessen, und nicht immer steht man auf der richtigen, der guten Seite.
 
Müll trennen – ja bitte, aber gerade heute habe ich wieder eine Glasflasche falsch entsorgt. Und der Nachbar von hinten rechts im Ballon hinter uns hat wieder den Papiermüll einfach neben den Sammelcontainer gekippt … Nebensächlichkeiten, die nur in der Summe etwas ausmachen könnten – oder auch nicht, weil der Müll eh im ÜberALL wieder zusammengeschmissen wird, also nichts als organisierte Beschäftigungstherapie und doch sinnvolle, verantwortungsvolle Sorge um das, was wir selber nicht mehr brauchen und entsorgen wollen.

Ach so, warum kriegt Frau Hilton wohl plötzlich nicht die erwarteten Stimmen im Rahmen des Teststimmungsschwankungsbarometer in Iowa? Vielleicht auch ein bisschen, weil sie so cool war, als ihr Mann sich von der Praktikantin näher beschnuppern liess … vielleicht wäre ein Schreikrampf, ein Tritt in aller Öffentlichkeit menschlicher gewesen, da beißt die Maus keinen Faden ab, warum soll man sich beherrschen, wenn man so getroffen wird. Immer diesen gleichen Gesichtsausdruck, auch in Krisen, das Degetoweichspülergesicht mit Betablockergrinsen macht unnahbar und wenig menschlich.

Ich wünsche mir also Gesichter im ÜberALL des Jahres 2008, mit Regungen und mit Falten ohne Botoxweichspülerunterspritzung. Gelebtes Leben halt und keine vorgespielte Utopie von Irgendetwas.

Ich selber habe mir dementsprechend fürs neue Jahr vorgenommen, mehr bei mir zu stehen und lieber mal ne Ecke, ne Kante und ne Falte mehr zu haben, wenn nicht jetzt, wann dann?

Augen auf, ich komme …

 

~ von walnussastoria3archiv am März 28, 2008.

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