Dschungelfieber

Da lebt eine Frau im harten Dschungel und will trotzdem appetitlich aussehen. Kein Widerspruch, sondern sie hört auf den Namen Isabel und ist eine wohlgeformte Schwedin. Körperpflege und ein perfektes Make-up sind bei ihr Grundvoraussetzung für einen gelungenen Tag. Diese Fahne hielt sie bislang in stundenlanger Fleißarbeit vorm Schminkkästchen und unter der Dschungeldusche hoch – bis gestern. Da mußte sie in die Mehlwurmdusche mit Kakerlakenschleim - heroisch, wie es einer Wikingernachfahrin in die Wiege gelegt ist, hielt sie durch …

aber nach der Prüfung, als alles vorbei war, brach sie kurzzeitig innerlich zusammen. Schleimig, klebrig vor der Kamera, das war zuviel für sie. Wortlos ging sie zum Badesee, weinend wusch sie sich nackend trotz Zoomkamera und erst als das Make-up wieder frisch war, konnte sie sprechen. Allen Anderen geht das auf die Nerven … aber ganz ehrlich, wer hat sich nicht seine Rituale zusammengestellt, um diese selbstauferlegte Survival-Prüfung zur Prominenzsteigerung der eigenen Person zu überstehen.

Frau Herzsprung fältet ununterbrochen Irgendetwas zu modischen, farbenfrohen Details, Frau Schaffrath macht Sit-ups, Eike Immel übt sich im Langzeitreden, DJ Tomekk holt sich ständig einen runter oder pinkelt quasi in die Wasserversorgungskette (wenn das die Isabel wüßte, dass sie beim Duschen auch von Tomekks Pipi benetzt wird … iiiibah) … Bata pennt, Julia Biedermann versucht, nicht bieder zu gucken trotz messergestrafftem Antlitz, Ross tanzt, was die schwule Klischeekiste so hergibt, Lisa Bund versucht sich am Thema Teamgeist und Björn-Hergen am Macherdasein.

Kein Wunder also, dass das liebestolle australische Krokodil noch unschlüssig ist, wem sein Herz gehört, wer sein(e) Dschungelkönig(in) werden soll. Auch der Test mit der einen Weinflasche für 10 Menschen, äh 9, denn die Barbara Herzsprung ist artig und mittlerweile eine Trockene, verzichtete also unauffällig und weise, brachte wenig Klarheit, wer durch bezauberndes Wesen glänzt. Nur einer schießt sich immer wieder ins soziale Abseits: der Tomekk, der schon als DJ nicht wirklich überzeugt, der zeigte einmal mehr, dass er wahrlich der hässliche Prototyp der asozialen Kohl-Generation ist – alles mir und Wasser für die Anderen, boh, eij Alter, das ist krass, ich bin cool, eij, ich bin Tomekk, ich weiß, was geht, boh.

So ein Wahsinn, das ist ja die Hölle, Hölle, Hölle … da darf auch der Sohn vom Armbandmann, vom Volkssänger himself nicht fehlen, Achim Petry singt, was das Dschungelfieber auslöst: Wahnsinn halt. Wanze bleibt also noch da und berichtet weiter, denn Wahn ist gut für den Sinn.

~ von walnussastoria3archiv am März 28, 2008.

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